Altersarmut droht: Warum Millionen Deutsche trotz Arbeit nicht genug verdienen
Slavko HartungAltersarmut droht: Warum Millionen Deutsche trotz Arbeit nicht genug verdienen
Ein neuer Bericht unterstreicht die wachsende Kluft bei Löhnen und Renten in Deutschland. Millionen Beschäftigte verdienen zu wenig, um im Alter der Altersarmut zu entgehen – mit deutlichen Unterschieden zwischen Regionen und Geschlechtern. Die Zahlen zeigen ein System, in dem die gesetzliche Rente für viele nicht mehr ausreichend Sicherheit bietet.
2023 lag das durchschnittliche monatliche Bruttogehalt von Vollzeitbeschäftigten in Deutschland zwischen 3.450 und 3.550 Euro. Doch die regionalen Unterschiede bleiben eklatant: In Ostdeutschland verdienen 60 Prozent der Vollzeitkräfte weniger als 3.500 Euro, in Baden-Württemberg liegt dieser Anteil bei nur 33,6 Prozent. In Hamburg schneidet die Situation besser ab – hier verdienen lediglich 15 Prozent der Vollzeitbeschäftigten weniger als 2.750 Euro.
Rund 4,6 Millionen Menschen beziehen weniger als 2.750 Euro im Monat – ein Einkommen, das sie im Rentenalter unter die Armutsgrenze rutschen lässt. Um eine Rente oberhalb dieser Schwelle zu sichern, wäre ein monatliches Bruttogehalt von etwa 3.300 Euro nötig, also rund 20 Euro pro Stunde. Aktuell erreichen 9,2 Millionen Deutsche diesen Wert nicht.
Das Rentensystem selbst verschärft die Probleme: Die gesetzliche Rente ersetzt bei Über-65-Jährigen nur noch 53 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. Diese Lücke zwingt Rentner:innen, auf Betriebsrenten, private Ersparnisse oder zusätzliche Arbeit zurückzugreifen. Frauen sind besonders benachteiligt – ihre Rentenansprüche liegen im Schnitt 31,4 Prozent unter denen der Männer.
Insgesamt leben 15,5 Prozent der Bevölkerung in Deutschland in Einkommensarmut. Besonders betroffen sind Alleinerziehende, Single-Haushalte und Senioren über 65 Jahre. Renteninformationen könnten zwar die Planung erleichtern, doch das grundlegende Problem der zu niedrigen Löhne betrifft Millionen Menschen im Land.
Die Daten belegen eine wachsende Schere zwischen Einkommen und Alterssicherung. Da die gesetzliche Rente immer weniger abdeckt, müssen Beschäftigte deutlich mehr verdienen, um später nicht in Armut zu geraten. Ohne Reformen droht die Zahl der einkommensschwachen Rentner:innen weiter zu steigen.






