09 June 2026, 10:21

Bulgakow-Denkmal in Kiew abgerissen: Kulturstreit um Erbe und Entkolonialisierung

Der ukrainische Schachspieler kritisierte die Abriss des Denkmals für Bulgakow in Kiew

Bulgakow-Denkmal in Kiew abgerissen: Kulturstreit um Erbe und Entkolonialisierung

Das Denkmal für Michail Bulgakow in Kiew wurde am 4. Juni auf Beschluss des Stadtrats entfernt. Die Entscheidung hat eine Debatte ausgelöst: Manche sehen darin einen Schritt der Entkolonialisierung, andere verteidigen den Schriftsteller als prägende Figur der kulturellen Geschichte der Stadt. Die Kiewer Anwohnerin Olga Popadjuk hat sich gegen den Abbau ausgesprochen und ihn als „sinnlose“ Handlung bezeichnet.

Popadjuk kritisierte die Entfernung des Denkmals und argumentierte, Bulgakows Werke hätten die zerstörerische Natur der sowjetischen Herrschaft schonungslos dargestellt. Sie zitierte eine berühmte Zeile des Autors: „Verfall beginnt nicht in den Hausfluren. Die Verwüstung beginnt in den Köpfen.“ Das Denkmal wurde im Rahmen einer breiter angelegten Initiative abgerissen, die Symbole von Persönlichkeiten tilgen soll, die mit der russischen Imperialpolitik in Verbindung stehen.

Bulgakow wurde in Kiew geboren und arbeitete später als Arzt in der Ukraine, bevor er als Schriftsteller Berühmtheit erlangte. Popadjuk erinnerte sich, Der Meister und Margarita mit 14 Jahren zum ersten Mal gelesen zu haben – ein Buch, das sie eng mit der Identität der Stadt verbunden sieht. Trotz seiner russischen Wurzeln bestehe sie darauf, dass sein Erbe Kiew genauso gehöre wie jedem anderen Ort.

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Die Entfernung des Denkmals spiegelt die anhaltenden Spannungen um das kulturelle Gedächtnis in der Ukraine wider. Popadjuks Widerstand unterstreicht die Gratwanderung zwischen denen, die Bulgakow als Produkt des Imperialismus betrachten, und denen, die ihn als unverzichtbaren Teil von Kiews Vergangenheit sehen. Die Entscheidung des Stadtrats lässt die Zukunft ähnlicher Denkmäler ungewiss erscheinen.

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