Jülicher Atommüll wird nach 40 Jahren endlich abtransportiert – doch wohin?
Alexander MälzerJülicher Atommüll wird nach 40 Jahren endlich abtransportiert – doch wohin?
Nach 40 Jahren soll der Atommüll aus dem Forschungszentrum Jülich endlich abtransportiert werden. Die ersten Lieferungen starten bereits nächste Woche – ihr Ziel ist das Zwischenlager im nordrhein-westfälischen Ahaus. Doch eine dauerhafte Lösung für das radioaktive Material bleibt weiterhin ungelöst.
Seit 2013 steht der Müll im Zentrum politischer und juristischer Auseinandersetzungen, ohne dass ein endgültiges Entsorgungskonzept in Sicht wäre.
Der Versuchsreaktor in Jülich wurde zwar bereits 1988 abgeschaltet, doch sein Erbe wirkt bis heute nach: 152 Castor-Behälter mit Atommüll lagern seitdem vor Ort – in einer Anlage, die seit 2013 ohne gültige Genehmigung betrieben wird. Nun haben die Behörden trotz Widerstand aus der Stadt Ahaus und von Atomkraftgegnern den Transport dorthin genehmigt.
Der Müll wird in über 50 Einzeltransporten verbringen, obwohl auch die Zwischenlager-Genehmigung für Ahaus bereits 2036 ausläuft. Das Forschungszentrum Jülich hatte zuvor eine Verlängerung seiner Lagerpflicht abgelehnt und den Umzug erzwungen. Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der Deutschland die Atomdebatte neu aufrollt – beeinflusst von EU-Spitzenpolitikern wie Ursula von der Leyen und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.
Einige Politiker und Wissenschaftler sehen in kleinen modularen Reaktoren (SMR) eine mögliche Lösung. Doch die Technologie ist noch nicht ausgereift: Nur wenige Anlagen werden derzeit in Russland und China gebaut, während die meisten Projekte in den USA, Großbritannien und Europa noch in der frühen Planungsphase stecken. Unternehmen wie NuScale und Rolls-Royce sind beteiligt, doch die EU rechnet nicht vor den 2030er-Jahren mit einsatzbereiten SMR.
Bisher bleibt unklar, wo der Atommüll endgültig gelagert werden soll. Die anhaltende Diskussion zeigt, wie schwierig der Umgang mit nuklearem Material ist – selbst Jahrzehnte nach der Abschaltung eines Reaktors.
Die ersten Transporte beginnen nächste Woche und beenden damit eine lange Pattsituation. Doch die Zukunft des Mülls bleibt ungewiss, denn eine dauerhafte Lagerstätte fehlt. Der Streit wirft zudem grundsätzliche Fragen zur deutschen Atompolitik auf, die durch neue Technologien und politische Entwicklungen zusätzlich an Brisanz gewinnt.






