23 April 2026, 14:42

"Kein Körper passt hier": Wie Kims Kampf um Identität die Bühne erobert

Magazinumschlag mit einer Frau in einem rosafarbenen Kleid, die mit einem sanften Ausdruck direkt in die Kamera schaut; der Text "Le Théâtre" ist sichtbar.

"Kein Körper passt hier": Wie Kims Kampf um Identität die Bühne erobert

Die Bühnenadaption von Kein Körper passt hier, dem preisgekrönten Debütroman von Kim de l'Horizon, feierte vor ausverkauftem Haus Premiere in Berlins Vaganten Bühne in Charlottenburg. Die Inszenierung verwandelt die schonungslose literarische Auseinandersetzung mit genderfluider Identität und familiärem Trauma in eine mutige, neunzigminütige Performance.

Der Roman selbst schrieb 2022 Geschichte, als er sowohl mit dem Deutschen Buchpreis als auch mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet wurde – eine Anerkennung für seinen kompromisslosen Blick auf Selbstakzeptanz und vererbtes Leid. Das Stück begleitet Kim, eine Protagonist:in, die sich zwischen genderfluider Identität und der Aufarbeitung der verdrängten Vergangenheit ihrer Familie bewegt. Der Auslöser für ihre Reise ist die Demenz der Großmutter, die eine Konfrontation mit lange verschütteten Wahrheiten erzwingt. Die Handlung verfolgt das transgenerationale Trauma bis ins 14. Jahrhundert zurück und verwebt es mit Kims Kampf um Selbstannahme.

Auf der Bühne verkörpern drei Schauspieler:innen – Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger – gemeinsam die Figur Kim und spiegeln so die verschiedenen Facetten ihrer Identität. Die Produktion verbindet Musik, Modenschau-Elemente und physisches Theater, um Kims inneren Aufruhr greifbar zu machen. Über der Bühne hängen zerrissene, beige Strumpfhosen von der Decke, gefüllt mit Sand und beschwerten Kugeln – ein visuelles Symbol für die Themen Zerbrechlichkeit und Widerstandskraft, die den Roman prägen.

De l'Horizons Werk, ob in Buchform oder nun auf der Bühne, bricht das Schweigen über genderfluide Erfahrungen auf. Die Adaption geht noch einen Schritt weiter: Sie verwandelt persönliche Scham in einen kollektiven Akt des Widerstands und der Feier.

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Die Premiere markiert einen Höhepunkt für eine Geschichte, die die literarische Debatte bereits nachhaltig geprägt hat. Mit ihrer Mischung aus Performance-Kunst und emotionaler Tiefe erweitert das Stück die Wirkung des Romans über die Seiten hinaus. Das Publikum verlässt den Saal mit einem eindringlichen Gefühl von Kims Kampf – nicht nur um Identität, sondern um eine Stimme in der Geschichte.

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