Krankengeld-Debatte: Sollten Karenztage die Lösung für Fehlzeiten sein?
Slavko HartungKrankengeld-Debatte: Sollten Karenztage die Lösung für Fehlzeiten sein?
Die Debatte über die Kürzung des Krankengeldes hat eine Diskussion über Unternehmenskultur und Fehlzeiten ausgelöst. Experten und Verantwortliche sind uneins, ob die Reduzierung des Krankengeldes oder die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der bessere Lösungsweg ist. An der Diskussion beteiligen sich Wirtschaftsführer, Gesundheitsminister und Arbeitnehmervertreter.
Die Idee, Karenztage – also eine vorübergehende Aussetzung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall – einzuführen, hat dabei besondere Aufmerksamkeit erregt. Das ZEW-Forschungsinstitut und der Kronberger Kreis schlagen dies als Maßnahme zur Steigerung der Effizienz vor. Das Arbeits-, Gesundheits- und Sozialministerium von Nordrhein-Westfalen lehnt den Vorschlag jedoch ab und setzt stattdessen auf eine gesundheitsorientierte Unternehmenskultur.
Die Personalexpertin Magdalena Rogl kritisierte den Fokus auf Krankengeldkürzungen. Sie plädierte für einen kulturellen Wandel im Umgang mit Fehlzeiten, bei dem Vertrauen und das Wohlbefinden der Mitarbeiter im Vordergrund stehen. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Krankenkasse TK, pflichtete ihr bei und betonte, dass eine Reduzierung des Krankengeldes Krankheiten nur hinauszögere und die Fehlzeitenquote weiter verschlechtern würde.
Eine aktuelle Studie der TK ergab, dass zwei Drittel der Befragten gegen Kürzungen beim Krankengeld sind. Gleichzeitig warnte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann vor einer Wiedereinführung der Karenztage. Unternehmen setzen stattdessen zunehmend auf bessere Arbeitsbedingungen und einfühlsame Führung, um Fachkräfte zu gewinnen und Fehlzeiten zu reduzieren.
Bevor Änderungen wie Karenztage umgesetzt werden können, muss der Gesetzgeber zunächst einen rechtlichen Rahmen schaffen. Betriebe mit einer starken Gesundheitskultur haben bereits jetzt einen Vorteil bei der Personalgewinnung. Die Debatte zeigt: Immer mehr setzt sich die Überzeugung durch, dass unterstützende Arbeitsumfelder wirksamer sind als finanzielle Sanktionen.






