Pflege zu Hause: Warum Familien finanziell an ihre Grenzen geraten
Alexander MälzerPflege zu Hause: Warum Familien finanziell an ihre Grenzen geraten
Ein neuer Bericht unterstreicht die wachsende finanzielle Belastung von Familien, die in Deutschland Angehörige zu Hause pflegen. Der Bundesverband wir pflegen e.V. kritisiert die unzureichende Unterstützung für Betroffene, die mit hohen Eigenanteilen konfrontiert sind. Studien zeigen, dass die Ausgaben für schwerstpflegebedürftige Menschen in häuslicher Pflege mittlerweile über 7.000 Euro pro Monat betragen können – deutlich mehr als viele Heimplätze kosten.
In Deutschland sind 5,7 Millionen Menschen auf Langzeitpflege angewiesen, wobei 85,9 Prozent zu Hause und nicht in stationären Einrichtungen leben. Von ihnen werden 54,5 Prozent ausschließlich von Angehörigen versorgt, während weitere 19,3 Prozent eine Kombination aus familiärer und professioneller Hilfe erhalten. Das Sozialsystem fördert die häusliche Pflege gemäß Paragraf 3 des Elften Buches Sozialgesetzbuch (SGB XI), der es Betroffenen ermöglicht, ihre bevorzugte Pflegeform zu wählen.
Doch die finanzielle Last bleibt enorm. Eine Studie von Professorin Notburga Ott von der Ruhr-Universität Bochum ergab, dass die Eigenanteile bei der häuslichen Pflege zwischen 340 und 7.441 Euro pro Monat liegen – im Median bei 2.085 Euro. Diese Summen umfassen direkte Ausgaben für Dienstleistungen sowie den unentgeltlichen Einsatz von pflegenden Angehörigen, deren Arbeit mit etwa 15 Euro pro Stunde bewertet wird. Keiner dieser Kosten wird von der Pflegeversicherung übernommen.
Zum Vergleich: Heimbewohner zahlten 2024 im ersten Jahr durchschnittlich 2.907 Euro monatlich, wobei die Beträge je nach Region und Aufenthaltsdauer variieren. In Baden-Württemberg unterschieden sich die Gebühren danach, wie lange jemand gepflegt wurde, während in Bayern die Zuzahlungen nach 12 Monaten bei 2.879 Euro lagen und nach drei Jahren auf 1.927 Euro sanken. Prognosen für Januar 2026 deuten darauf hin, dass diese Kosten weiter steigen und für Neuzugänge über 3.200 Euro pro Monat liegen werden.
Die Kluft zwischen den Kosten der häuslichen Pflege und den verfügbaren Unterstützungsleistungen bringt viele Familien an ihre Grenzen. Da nur 14,1 Prozent der Pflegebedürftigen in Vollzeit in stationären Einrichtungen leben, steht die Mehrheit vor steigenden Ausgaben ohne ausreichende finanzielle Entlastung. Die Ergebnisse verdeutlichen den dringenden Bedarf an politischen Reformen, um die wachsende Belastung unbezahlt Pflegender und ihrer Haushalte zu mindern.