Rheinwasser soll Braunkohle-Tagebaue im Revier in riesige Seen verwandeln – doch die Risiken bleiben
Alexander MälzerRheinwasser soll Braunkohle-Tagebaue im Revier in riesige Seen verwandeln – doch die Risiken bleiben
Pläne zur Flutung ehemaliger Braunkohletagebaue im rheinischen Revier mit Rheinwasser nehmen Gestalt an – trotz anhaltender rechtlicher und ökologischer Bedenken. Das von dem Energiekonzern RWE getragene Vorhaben sieht vor, in den kommenden vier Jahrzehnten drei riesige Tagebaue in neue Seen zu verwandeln. Kritiker warnen jedoch vor möglichen Risiken und langfristigen Folgen.
Den Anfang macht der Tagebau Hambach, der ab 2030 mit Rheinwasser geflutet werden soll. Eine 45 Kilometer lange Pipeline, bestehend aus zehntausend Einzelrohren mit einem Durchmesser von bis zu 2,2 Metern, wird das Wasser vom Fluss zum Geländes leiten. Die Bezirksregierung Arnsberg gab im Januar 2026 grünes Licht für den Bau der Leitung, doch eine entscheidende Genehmigung für die Einleitung des Wassers in den Tagebau Hambach steht noch aus. Das formelle Zulassungsverfahren soll voraussichtlich erst im Herbst 2026 beginnen, eine Entscheidung wird etwa zeitgleich erwartet.
Auch der kleinere Tagebau Inden wird ab 2030 geflutet – hier jedoch mit Wasser aus der nahegelegenen Rur. Der dritte Tagebau, Garzweiler, folgt 2036 und greift ebenfalls auf Rheinwasser zurück. Nach Abschluss des Projekts sollen neue Seen, Lebensräume für Tiere und wirtschaftliche Impulse durch Tourismus und Arbeitsplätze entstehen.
Umweltverbände wie der BUND und die Initiative "Alle Dörfer bleiben" äußern jedoch Besorgnis über die Wasserqualität. Sie fürchten eine Verunreinigung durch Giftstoffe und sogenannte "Ewigkeitschemikalien", die in die Gruben einsickern könnten. Der scharfe Kritiker der Pläne, Andreas Büttgen, bezeichnet RWEs Strategie als "Premium-Ansatz", der es dem Konzern erlaube, sich im Falle von Problemen zurückzuziehen. Selbst nach der 40-jährigen Flutungsphase werden die Seen jahrzehntelang kontinuierlich mit Rheinwasser gespeist werden müssen, um den Wasserstand zu halten.
Die Umwandlung der Tagebaue Hambach, Inden und Garzweiler in Seen bleibt ein langfristiges Vorhaben mit erheblichen Hürden. Zwar wurde der Pipeline-Bau genehmigt, doch die endgültige Erlaubnis zur Wassereinleitung in Hambach steht noch aus. Gelingt das Projekt, könnten die neuen Seen die Landschaft und Wirtschaft der Region prägen – doch die Sorgen um Umweltverschmutzung und unternehmerische Verantwortung bleiben bestehen.






