18 April 2026, 22:22

Skandal um Schweinemast: Tote Tiere, entzogene Zertifizierung und Strafanzeige

Ein Plakat mit der Aufschrift "Geschichten vom Hof" mit einer Zeichnung eines Schweins und einer Schweinchenbank, umgeben von Tier-, Vogel-, Kreisdiagramm- und Textbildern auf einem weißen Hintergrund.

Skandal um Schweinemast: Tote Tiere, entzogene Zertifizierung und Strafanzeige

Ein Schweinemastbetrieb im Märkischen Kreis, Nordrhein-Westfalen, hat nach schweren Verstößen gegen den Tierschutz seine Zertifizierung verloren. Verdeckt aufgenommene Aufnahmen der Tierrechtsorganisation Aninova zeigten tote Tiere, verletzte Schweine und katastrophale Haltungsbedingungen auf dem Hof. Die Enthüllungen führten zu strafrechtlichen Ermittlungen gegen den Landwirt, der zugleich eine Führungsposition in einem regionalen Landwirtschaftsverband innehat.

Am 10. Oktober veröffentlichte Aninova auf Instagram erschütternde Videoaufnahmen, die tote Ferkel, verletzte Sauen und verfallene Stallanlagen zeigen. Die über eine halbe Million Mal aufgerufenen Bilder lösten umgehend Reaktionen von Behörden und Zertifizierungsstellen aus.

Der Betrieb stand bereits zuvor in der Kritik. Nach Prüfung des von Aninova bereitgestellten Materials führte das QS-Qualitätssicherungssystem am 14. Oktober eine Sonderprüfung durch. Die Ermittler stellten inakzeptable Zustände fest – darunter tote Tiere – und entzogen dem Betrieb noch vor Ort die Zertifizierung. Noch am selben Tag bestätigte das örtliche Veterinäramt bei einer eigenen Kontrolle Verstöße gegen Tierschutz- und Hygienebestimmungen.

QS setzte zudem den für die früheren Begutachtungen zuständigen Prüfer aus. Die Organisation begründete dies mit Zweifeln an dessen Unparteilichkeit und schloss ihn von weiteren QS-Kontrollen in allen Tierhaltungsbereichen aus. Normalerweise stützt sich QS auf unabhängige Zertifizierungsstellen, kann aber bei Bedarf eigene Ermittler einsetzen.

Der betroffene Landwirt ist zugleich Geschäftsführer des Rheinisch-Nassauischen Land- und Winzerverbandes. Aninova kritisierte diese Doppelfunktion scharf: Während er öffentlich für landwirtschaftliche Standards eintrete, habe sein eigener Betrieb grundlegende Tierschutzanforderungen missachtet. Auf Anfrage lehnte ein Verbandssprecher eine Stellungnahme zu Personalangelegenheiten ab und behauptete, von den Missständen auf dem Hof keine Kenntnis gehabt zu haben.

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Mittlerweile hat Aninova Strafanzeige gegen den Landwirt erstattet und den Fall damit über regulatorische Sanktionen hinaus eskaliert. Die Zertifizierung des Betriebs wurde endgültig entzogen, der frühere Prüfer darf keine QS-Inspektionen mehr durchführen. Mit den nun laufenden strafrechtlichen Ermittlungen wird geprüft, ob weitere rechtliche Schritte notwendig sind. Der Fall wirft zudem Fragen zur Aufsicht in der Landwirtschaft auf – insbesondere dann, wenn Branchenvertreter in Interessenkonflikten stehen.

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