Wie die Bundeswehr 1955 gegen Proteste und politische Widerstände entstand
Mathias HeringWie die Bundeswehr 1955 gegen Proteste und politische Widerstände entstand
Die Gründung der Bundeswehr, der Nachkriegsarmee Westdeutschlands, war das Ergebnis jahrelanger hitziger Debatten und Proteste. Die Diskussionen begannen während des Koreakriegs, doch der Widerstand aus politischen Kreisen und der Bevölkerung verzögerte die Aufstellung der Truppe. Erst 1955 nahmen die ersten Schritte zur Wiederbewaffnung konkrete Formen an.
Der Druck für einen deutschen Militärbeitrag wuchs Anfang der 1950er-Jahre, als der Koreakrieg Bedenken hinsichtlich der westlichen Verteidigung aufkommen ließ. 1951 schlug die Regierung ein Volksbegehren zur Wiederbewaffnung vor, doch das Innenministerium blockierte den Vorschlag. Im selben Jahr wurde die Freie Deutsche Jugend (FDJ), eine kommunistisch ausgerichtete Jugendorganisation, in Westdeutschland verboten, weil sie sich gegen die Remilitarisierung stellte.
1952 eskalierten die Proteste gegen die Wiederbewaffnung, als in Essen ein junges FDJ-Mitglied während einer Demonstration erschossen wurde. Unterdessen kämpfte die Paulskirchenbewegung gegen einen NATO-Beitritt und eine neue deutsche Armee und mobilisierte so den zivilgesellschaftlichen Widerstand. Auf internationaler Ebene bremste 1954 die Ablehnung des Plans für eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft durch Frankreich die Entwicklungen zusätzlich.
Bis Ende 1955 hatte sich das politische Klima gewandelt. Am 12. November ernannte Theodor Blank die ersten 110 Offiziere und Unteroffiziere für die künftige Bundeswehr. Der Name wurde offiziell am 1. April 1956 angenommen. Bereits im Januar desselben Jahres hatten sich die ersten Freiwilligen in Kasernen gemeldet – der operative Start der Armee war damit besiegelt.
Die SPD lehnte die Wiederbewaffnung zunächst ab und hielt an einer neutralen Haltung fest, bis sie 1959 mit dem Godesberger Programm ihre Position änderte.
1956 wurde die Bundeswehr schließlich Realität – nach Jahren politischer Kämpfe und öffentlicher Ablehnung. Ihre Gründung spiegelte die Einbindung Westdeutschlands in die NATO und die größeren Machtverhältnisse des Kalten Krieges wider. Die Debatten der 1950er-Jahre prägten nachhaltig die Verteidigungspolitik des Landes.






