Zwei NRW-Brauereien kämpfen mit alkoholfreien Alternativen gegen den Bier-Schwund
Slavko HartungZwei NRW-Brauereien kämpfen mit alkoholfreien Alternativen gegen den Bier-Schwund
Zwei Brauereien aus Nordrhein-Westfalen passen sich an, um in einem schrumpfenden deutschen Biermarkt zu überleben. Die Barre Brauerei in Lübbecke und die Bielefelder Braumanufaktur erweitern beide ihr alkoholfreies Sortiment, um der steigenden Nachfrage nach alkoholfreien cocktails gerecht zu werden. Dieser Wandel folgt auf einen Rückgang der nationalen Bierverkäufe um sechs Prozent im Jahr 2025 – den stärksten Einbruch seit der Wiedervereinigung.
Der Rückgang beim traditionellen Bierkonsum trifft vor allem regionale Produzenten hart. Christoph Barre, Geschäftsführer der Barre Brauerei, warnt vor einer bevorstehenden Insolvenzwelle in der Branche. Um den sinkenden Absatz zu bekämpfen, setzt seine Brauerei auf regionale Verbundenheit, nimmt an Messen teil und verkauft Merchandise-Artikel. Barre besteht zudem darauf, das Unternehmen unabhängig zu halten und lehnt Übernahmeangebote größerer Konzerne ab.
Die Bielefelder Braumanufaktur hingegen verfolgt einen breiteren Ansatz. Gründer Mike Cacic hat das Unternehmen als Getränkehersteller neu positioniert und das Sortiment um Erfrischungsgetränke und alkoholfreies Bier erweitert. Er ist überzeugt, dass alkoholfreie Produkte irgendwann zu den umsatzstärksten des Unternehmens gehören könnten. Beide Brauereien steigern nun die Produktion von alkoholfreiem Bier – ein Trend, der bundesweit zu beobachten ist.
Seit 2020 ist der Marktanteil von alkoholfreiem Bier in Deutschland von etwa 1,5 auf über 4 Prozent im Jahr 2025 gestiegen. Gesundheitsbewusste Verbraucher und ein zurückhaltenderer Konsum nach der Pandemie treiben das jährliche Wachstum von 20 bis 30 Prozent an. Große Marken wie Bitburger und Warsteiner haben ihre alkoholfreien oder -reduzierten Sortimente ausgebaut, während in Großstädten wie Berlin und München der Marktanteil bereits bei bis zu 6 Prozent liegt. In ländlichen ostdeutschen Bundesländern hält der Wandel dagegen nur langsam Einzug.
Die Anpassungen bei der Barre Brauerei und der Bielefelder Braumanufaktur spiegeln den branchenweiten Druck wider. Angesichts sinkender Verkäufe traditioneller Biere müssen kleinere Brauereien innovativ werden – oder riskieren die Schließung. Alkoholfreie Alternativen bieten nun einen Rettungsanker, während sich die Verbrauchergewohnheiten weiterentwickeln.
Deutscher Bierabsatz sinkt auf 7,8 Milliarden Liter im Jahr 2025 - 6-prozentiger Rückgang löst Branchenkrise aus
Der Bierabsatz im Jahr 2025 ist mit erschreckender Präzision quantifiziert worden. Die wichtigsten Erkenntnisse sind:
- Die Gesamtverkäufe sanken auf 7,8 Milliarden Liter, ein 6,0-prozentiger jährlicher Rückgang und der stärkste seit 1993.
- Der Inlandsverbrauch sank um 5,8 Prozent auf 6,4 Milliarden Liter, während die Exporte um 7,0 Prozent fielen.
- Holger Eichele vom Deutschen Brauer-Bund bemerkte: 'Brauereien stehen vor den gleichen Verbraucherrestriktionen wie Einzelhändler und Restaurants.'