Anna Netrebko triumphiert in Berlin – doch Proteste überschatten ihre Rückkehr
Alexander MälzerAnna Netrebko triumphiert in Berlin – doch Proteste überschatten ihre Rückkehr
Berlins Staatsoper präsentiert neue Inszenierung von Verdis Un ballo in maschera – Anna Netrebko in der Hauptrolle der Amelia
Die Berliner Staatsoper hat eine Neuinszenierung von Giuseppe Verdis Ein Maskenball uraufgeführt, mit der Sopranistin Anna Netrebko in der Hauptrolle der Amelia. Die fast dreistündige Vorstellung erntete sowohl für das Ensemble als auch das Orchester begeisterten Applaus. Doch vor dem Opernhaus versammelten sich derweil Demonstranten, um gegen den Auftritt des Stars zu protestieren.
Die Premiere fand im Rahmen des Festprogramms des Hauses statt. Netrebko, die sowohl die russische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, erhielt während ihres Auftritts stehende Ovationen vom Publikum. Ihre Darstellung der Amelia markiert einen weiteren prominenten Auftritt in Berlin – nach ihrem Sommergastspiel beim Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt.
Draußen schwenkten etwa 50 Protestierende ukrainische Flaggen und skandierten Parolen wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat". Die Demonstration spiegelte die anhaltende Kontroverse um Netrebkos angebliche Nähe zu Russlands Präsident Wladimir Putin wider. Ihr Image litt besonders nach einem Konzert 2021 im Moskauer Kreml – wo sie ihren 50. Geburtstag feierte –, das in eine Zeit zunehmender Spannungen vor dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine fiel.
Nach Kriegsbeginn kündigten westliche Institutionen wie die Metropolitan Opera in New York und die Wiener Staatsoper ihre Verträge mit ihr, warf ihr vor, prorussische Positionen zu vertreten. Zwar trat sie weiterhin in Russland und Asien auf, doch ihre Rückkehr auf europäische Bühnen ab der Spielzeit 2025/2026 deutete auf eine vorsichtige Rehabilitation hin. Die Berliner Produktion rückt sie nun wieder ins Rampenlicht – zwischen künstlerischer Anerkennung und politischem Widerspruch.
Die Vorstellung endete mit lang anhaltendem Beifall für Netrebko und das Ensemble. Ihre Rückkehr an große europäische Spielstätten erfolgt nach Jahren des Boykotts und der Kritik. Die Proteste vor dem Haus zeigten jedoch, dass die Debatten über ihre Verbindungen zu Putin – und den größeren Konflikt – weiterhin ungelöst sind.






