"Bissig" im Fußball: Warum dieser Kampfbegriff alle begeistert – aber kaum einer ihn erklärt
Alexander Mälzer"Bissig" im Fußball: Warum dieser Kampfbegriff alle begeistert – aber kaum einer ihn erklärt
Fußballtrainer und Spieler sprechen oft davon, auf dem Platz "bissig" zu sein. Das Wort taucht in Interviews, Mannschaftsansprachen und Spielberichten auf – als Zeichen von Entschlossenheit. Doch was bedeutet es wirklich – und bringt es überhaupt etwas?
Bundestrainer Julian Nagelsmann forderte kürzlich von seiner Mannschaft "Gier und Biss" vor dem Spiel gegen Nordirland. Joshua Kimmich vom FC Bayern München beschreibt sich selbst als "bissiger, zäher, gnadenloser" – eine Einstellung, die er als Schlüssel zum Erfolg sieht. Beim SC Freiburg wurde Maximilian Philipp einst kritisiert, weil er im Training "nicht bissig genug" gewesen sei.
Die Idee ist nicht neu. Der Aufstieg von Arminia Bielefeld wurde einst darauf zurückgeführt, "viel bissiger" als die Gegner zu sein. Manche Spieler gehen noch weiter und behaupten, ihre Mannschaft solle für den Gegner "unangenehm" oder gar "ekelhaft" zu spielen sein. Doch nicht alle halten sich an dieses Schema: Ein Team demontierte Bayer Leverkusen kürzlich mit 7:0 – ohne sichtbaren Biss, stattdessen mit Können und eiskalter Chancenverwertung.
Der Begriff "bissig" hat sogar philosophische Wurzeln. Jean-Paul Sartre erforschte in seinem Roman "Der Ekel" (1938) das Gefühl des Widerwillens, allerdings eher als existenzielle Verzweiflung denn als Fußballtaktik. Die Wissenschaft fügt eine weitere Kurve hinzu: "Bissig" und "hungrig" können nicht gleichzeitig sein, denn die Gallenproduktion setzt erst nach fettreichen Mahlzeiten ein. Dennoch fordern Trainer ihre Spieler auf, sich zwischen beiden Zuständen zu entscheiden.
Vorerst bleibt "Biss" ein Lieblingswort im Fußball. Trainer verlangen ihn, Spieler beanspruchen ihn für sich, und Experten loben ihn. Ob er tatsächlich Ergebnisse verändert – oder nur hart klingt – ist eine ganz andere Frage.






