14 March 2026, 12:22

Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben: Verkaufszahlen brechen ein

Eine Zeitung mit den Worten "Democratic Press: A Weekly Journal" darauf gegen einen schwarzen Hintergrund.

Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben: Verkaufszahlen brechen ein

Düsseldorfs "fiftyfifty"-Magazin, das von obdachlosen und marginalisierten Verkäufer:innen angeboten wird, verzeichnet einen drastischen Rückgang der Verkaufszahlen. Die Auflage ist von einst 40.000 Exemplaren auf weniger als 12.000 im Januar 2023 gesunken. Das Magazin, das sowohl in gedruckter als auch in digitaler Form erscheint, spielt eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung benachteiligter Gemeinschaften und finanziert zugleich wichtige soziale Projekte.

Der Preis pro Ausgabe wurde auf 3,40 Euro angehoben, um die steigenden Kosten zu decken. Doch der Rückgang spiegelt nicht nur allgemeine Herausforderungen der Printmedienbranche wider, sondern wird zusätzlich durch eine wachsende Feindseligkeit gegenüber den Verkäufer:innen verschärft – insbesondere gegenüber denen mit Migrationshintergrund.

"fiftyfifty" ist seit Langem mehr als nur eine Publikation. Für viele Obdachlose bietet es eine Möglichkeit, Geld mit Würde zu verdienen und ein Gefühl der Zugehörigkeit zu entwickeln. Gleichzeitig dient das Magazin als Plattform für politische Interessenvertretung: Die Verkäufer:innen erhalten eine Stimme, um ihre Erfahrungen zu teilen und gesellschaftlichen Wandel voranzutreiben.

Über den Verkauf hinaus finanziert das Magazin lebenswichtige Initiativen, darunter Straßenhilfeprogramme, tierärztliche Versorgung für herrenlose Hunde und Wohnprojekte. Diese Angebote könnten gefährdet sein, wenn die Auflage weiter sinkt. Das Finanzmodell des Magazins basiert größtenteils auf Verkäufen, ergänzt durch Spenden und Einnahmen aus einer Wohltätigkeitsgalerie.

Der Leserschwund ist Teil eines bundesweiten Trends. Mindestens zwölf weitere deutsche Straßenzeitungen – darunter die "Berliner Straßenzeitung" und das "Münchner Straßenmagazin" – haben in den vergangenen fünf Jahren die Hälfte ihrer Auflage verloren. Besonders betroffen sind Städte wie Berlin, München, Hamburg und das Ruhrgebiet mit Dortmund und Essen. Zwar trägt die Digitalisierung dazu bei, doch die Printausgabe bleibt für viele Verkäufer:innen überlebenswichtig.

Die Verkäufer:innen sehen sich zudem neuen Herausforderungen gegenüber. Zunehmender Rassismus und Feindseligkeit erschweren den Verkauf des Magazins, vor allem für Menschen mit Migrationsgeschichte. Trotz dieser Schwierigkeiten bietet die digitale Ausgabe eine gewisse Stütze: Sie funktioniert wie eine Loskarte, bei der die Verkäufer:innen weiterhin die Hälfte des Verkaufspreises erhalten.

Die Zukunft von "fiftyfifty" bleibt ungewiss, während die Verkaufszahlen sinken und die Kosten steigen. Ohne Gegenmaßnahmen könnte die Fähigkeit des Magazins, soziale Projekte zu finanzieren und Einkommen für die Verkäufer:innen zu sichern, weiter schwinden. Die Preiserhöhung soll vorerst die Operationsfähigkeit stabilisieren – doch die tiefer liegende Krise der Printmedien und die gesellschaftlichen Haltungen bergen anhaltende Risiken.

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