16 March 2026, 00:39

Milo Rau inszeniert symbolischen Prozess gegen die AfD in Hamburg

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung eines überfüllten Gerichtssaals mit stehenden und sitzenden Menschen, beschriftet mit «Der Prozess gegen die britische Armee in London, England».

Regisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Milo Rau inszeniert symbolischen Prozess gegen die AfD in Hamburg

Die diesjährigen Hamburger Lessing-Tage 2024 enden mit einem kühnen Theaterprojekt: Der Schweizer Regisseur Milo Rau bringt sein markantes "Gerichts"-Format erstmals nach Deutschland. Unter dem Titel Der Prozess gegen Deutschland wird debattiert, ob die rechtspopulistische AfD verboten werden sollte.

Das Festival wurde 2010 von Joachim Lux, dem damaligen Intendanten des Thalia Theaters Hamburg, ins Leben gerufen. Die diesjährige Ausgabe kuratiert Matthias Lilienthal, der künftige künstlerische Leiter der Berliner Volksbühne. Raus Inszenierung markiert die deutsche Premiere seiner postdramatischen "Prozesse", die reale juristische Debatten mit performativen Elementen verbinden.

Zu Raus früheren Arbeiten zählen Das Kongo-Tribunal (2015), das sich mit dem Konflikt in Kinshasa auseinandersetzte, sowie Die Moskauer Prozesse (2017), eine Nachstellung stalinistischer Säuberungen mit politischen Aktivisten. Sein Stück Brecht, meine Liebe (2023) verband Brechts Biografie mit zeitgenössischen Diskursen und erregte internationales Aufsehen. Anders als im klassischen Theater werden in Der Prozess gegen Deutschland keine Schauspieler, sondern Juristen und Rechtsexperten agieren.

Den Vorsitz übernimmt die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin. Die dreitägige Veranstaltung findet im Thalia Theater statt und wird live auf der Website des Hauses übertragen. Die Macher wollen mit dem Format, das echten Gerichtsverfahren nachempfunden ist, eine gesellschaftliche Debatte anstoßen.

Der Prozess gegen Deutschland bewegt sich an der Schnittstelle von Recht und Performance. Zwar ist das Urteil symbolisch, doch könnte es die öffentliche Diskussion über die politische Zukunft der AfD prägen. Mit diesem Abschlussakt unterstreicht das Festival, wie Theater reale juristische und soziale Fragen aufgreifen kann.

AKTUALISIERUNG

Jury Splits on AfD Ban in Symbolic Trial

Der drei Tage dauernde Prozess gegen Deutschland endete am 15. Februar 2026 mit einer geteilten Jury-Entscheidung. Das Panel befand die AfD als verfassungswidrig, vermied jedoch direkte Forderungen nach einem Verbot. Wichtige Feststellungen sind:

  • Verfassungswidrig in Menschenwürde: 5-2 Ja
  • Forderung an Verfassungsorgane, ein Verbot zu prüfen: 5-2 Ja
  • Ausschluss von staatlicher Finanzierung: 4-3 Ja Das gemischte Ergebnis spiegelt die anhaltenden rechtlichen und gesellschaftlichen Spannungen um die Zukunft der Partei wider.