Nackter Hauptdarsteller spaltet Berliner Theaterpublikum in extremen Reaktionen
Mathias HeringNackter Hauptdarsteller spaltet Berliner Theaterpublikum in extremen Reaktionen
Eine aktuelle Berliner Theaterproduktion spaltete das Publikum – doch die Reaktionen blieben alles andere als verhalten. Das Stück, eine visuell beeindruckende Auseinandersetzung mit Apokalypse, Durchhaltevermögen und Gemeinschaft, löste sowohl begeisterten Applaus als auch offene Ablehnung aus. Für einen Zuschauer jedoch lag die eigentliche Herausforderung nicht in den Bühnenthemen, sondern in der Angewohnheit des Hauptdarstellers, nackt aufzutreten.
Die Inszenierung – nicht von René Pollesch geschrieben – featured einen Protagonisten, der für zwei Dinge berüchtigt war: sein Kostüm fallen zu lassen und gelegentlich aus der Rolle zu fallen. Während der Großteil des Publikums am Ende mit begeistertem Beifall reagierte, rief ein einzelner Zuschauer mitten in der Vorstellung wütend Buh.
Die Erfahrung erschütterte eine Besucherin so sehr, dass eine Freundin ihr Desensibilisierungstherapie vorschlug. Gemeinsam entwarfen sie einen Stufenplan zur Überwindung der Angst, beginnend mit „Besuche jede Vorstellung des nackten Schauspielers“ und gipfelnd in „Buche eine Kreuzfahrt mit Pflichtbesuch der Abendshow Heino trifft Rammstein**.“ Als sie bei der Kreuzfahrt-Idee ankamen, drehte sich ihr allein beim Gedanken der Magen um.
Zur Erholung griffen sie zu „Frühling für Hitler“ – eine Wahl, die sie so sehr zum Lachen brachte, dass ihnen die Tränen kamen.
Die mutige Inszenierung und die polarisierende Hauptrolle sorgen dafür, dass das Stück so schnell nicht in Vergessenheit gerät. Wer mit dem unkonventionellen Stil des Darstellers hadert, dem bleibt entweder schrittweise Gewöhnung – oder schlicht der Besuch eines anderen Stücks. Eines steht fest: Berlins Theaterszene versteht es nach wie vor, starke Emotionen zu wecken.






